DAY 9

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2022

On the topic of shame and sexuality

#StudioFashionDesign #Master-Thesis


Eine der grössten persönlichen Herausforderungen in unserem Leben ist auch eine der unsichtbarsten. Denn es liegt in ihrer Natur, dass sie nur dann funktioniert, wenn sie im Verborgenen abläuft und uns die Fähigkeit nimmt, ihre Symptome zu erkennen. Nichts desto trotz untergraben nur wenige Dinge das geistige und körperliche Wohlbefinden unserer Gesellschaft so sehr, wie dieses kollektive Gefühl: das Gefühl des Schams.

Als Dylan sich zum ersten Mal mit dem Begriff der Scham beschäftigte, zeigte sich schnell, dass jede:r davon betroffen zu sein scheint: von unserem sozialen Verhalten über unser privates Verhalten und unser berufliches Verhalten bis hin zu unserem Sexualverhalten. Eine allgemein optimistische, kumbaya artige Herangehensweise an das Thema wäre gewesen, sich über die Scham der anderen zu freuen und vielleicht nach einer Art Gemeinsamkeit zu suchen. Dylan hatte jedoch das Bedürfnis nach mehr als unauthentischem, toxischem Positivismus-Bullshit. Dieses Thema brauchte das visuelle Manifest einer queeren Person, die sauer darüber ist, wie unser System funktioniert, und Dylan ist bereit, es der Welt anzubieten.

Die Arbeit hält der gesellschaftlichen Realität von Queer- und Fem-Shame einen Spiegel vor und betont die Notwendigkeit, jeden Menschen auf diesem Planeten als radikal unvollkommen, imperfekt und, wenn man ihn ganz genau betrachtet, als gebrochen zu sehen. Wir sollten uns gegenseitig in unseren menschlichen Absurditäten ermutigen und unsere Existenz in menschlicher Form mit Humor kommentieren.

Dylan versucht mit der Kollektion und den performanceartigen Videos nicht eine Lösung für die persönlichen Probleme anderer anbieten zu können. Stattdessen nutzt Dylan die Mode als Selbstheilungsmethode und lädt die Zuschauenden ein, über die Vergangenheit, die Gegenwart und vielleicht sogar über eine mögliche Zukunft nachzudenken. Dieses sehr persönliche Projekt bietet einen satirischen Blick auf Konsum, Objektivierung und Sexualisierung und spielt dabei mit der treibenden Kraft der Scham.

Mentorat:

Wally Salner

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Priska Morger

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Jörg Wiesel

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