EchoEcho

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2020

Design durch physische Wahrnehmung

#StudioFashionDesign #Master-Thesis


EchoEcho verbindet Körperwahrnehmung und Mode mit dem Ziel, die Physis sichtbar werden zu lassen und den Körper als Erfahrungsquelle aller sinnlicher Eindrücke zu zeigen. Durch Falten, Schnürungen oder Gummibänder wird mit Material und Schnitt die Kleidung Übersetzerin der Bewegung ins Sichtbare. Grundlage ist die Feldforschung in Kursen der somatischen Praxis, die durch körperliche Erfahrungen die Relevanz des Körpers als Wahrnehmungsorgan beobachtet.

Atmosphäre und Wahrnehmung


EchoEcho ist Mode für den Alltagsgebrauch, die Körper zur Wahrnehmung sensibilisiert, als Erfahrungsquelle sinnlicher Eindrücke sichtbar macht und als Wahrnehmungsorgan stärkt.


Wahrnehmen ist ein Prozess, bei dem Informationen bzw. Reize durch die Sinnesorgane aufgenommen und verarbeitet werden. Individuelle Beobachtungen von inneren und äußeren Vorgängen des Körpers bilden die Grundlage des Prozesses. In jedem Wahrnehmungsprozess werden Reize selektiert und subjektiv bewertet. Der größte Teil dieses Auswahl- und Bewertungsprozesse geschieht unbewusst, wobei die sinnlichen Erfahrungen die Grundlage dafür bilden, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und gestalten.


Wenn Menschen wahrnehmen, dann nehmen sie zuerst das Atmosphärische von etwas war. Sie betreten beispielsweise einen Raum und spüren den Zustand des „im Raum-Seins“. Erst in einem zweiten Schritt erkennen Menschen, was in dem Raum ist - z.B. die Gegenstände, das Licht oder die Farbgebung - und beginnen diese aktiv mit ihren Sinnen zu analysieren. Die Basis der Wahrnehmung ist also das Atmosphärische.

Körper, Raum und Kleidung


EchoEcho erforscht Kleidung als einen Raum des Körpers, der den Sinnen Platz einräumt.


Der Körper ist der zentrale Gegenstand meiner künstlerischen Praxis als Szenografin und Modedesignerin. Er ist der Ausgangspunkt von Wahrnehmung, Atmosphären und das Mittel, Räume überhaupt erfahrbar und plastisch werden zu lassen. Der Raum, der dem Körper örtlich am nahesten ist und ihn umgibt ist das Kleidungsstück. Für mich entsteht Mode in der Gesamtkomposition von Körper, Kleid und Raum - und durch die stetigen gesellschaftlichen Veränderungen.

Physische Erfahrungen als Forschungsmethode für Design


EchoEcho transformiert physische Erfahrungen in Design.


Für meinen gestalterischen Prozess ist die Sinn-übergreifende Interaktion mit der Welt essentiell. Erst durch sie lassen sich komplexe Zusammenhänge von Welt und Notwendigkeiten von Design und Mode erkennen und begreifen. Zentral für meine Arbeit ist daher die eigene physische Erfahrung als Grundlage für den praktischen Entwurf.


Für EchoEcho besuchte ich Kurse wie Hatha Yoga, die israelische Tanztechnik Gaga oder die japanische Fesselkunst Shibari. All diese Techniken beschäftigen sich auf spezifische Weisen mit Körper-Wahrnehmung. Neben der physischen Erfahrung beobachtete und dokumentierte ich die Übungen, den Ort und die Atmosphäre. Meinen Fokus richtete ich dabei darauf, wie und wodurch mein Körper sensibilisiert wird und meine Sinne erweitert werden.

Outfits/Looks


Ich gehe einem integrativen Ansatz von Mode nach. Design soll auf seine soziokulturellen Bedingungen reagieren, also den Raum und den Zweck reflektieren, für den es entsteht. Das bedeutet, dass die Produktionsmechanismen von Kleidung ebenso Teil des Designs sind, als auch die Wertschätzung der Ressourcen und Materialien.


Jedes Outfit von EchoEcho steht für eine spezifische Form von sinnlicher Verbindung zwischen Körper und (Um-)Welt. Durch Falten, Schnürungen oder Gummibänder wird mit Material und Schnitt die Kleidung zur Übersetzerin der inneren Bewegung ins sichtbare Aussen. Jedes Outfit vereint ein Gegensatzpaar von Begriffen und lässt zwei unterschiedliche physische Zustände sichtbar werden.


Anspannen - Entspannen

Beweglichkeit - Unbeweglichkeit

Leichtigkeit - Schwerkraft

Beugen- Dehnen

​Mit der freundlichen Unterstützung von


FREITAG

Heiligenstädter Reißverschluß GmbH & Co.

Holzer & Bott GmbH

Lebenskleidung


Fotografie: Lucia Hunziker

Kamera und Schnitt: Simon Bitterli

Choreographie: Leonie Graf

Musik: Thomas Schröder

Performer*innen: Julian Boine, Sophie Garnier, Claudia Marolf, Annina Polivka, David Michael Werner

EchoEcho -Design durch physische Wahrnehmung (Präsentation & Master-Thesis by Nicole Frei)

Mentorat:

Prof. Priska Morger,

Wally Salner,

Prof. Dr. Bettina Köhler

, Studio Fashion Design

Prof. Dr. Jörg Wiesel

, Institut Ästhetische Praxis und Theorie