Forward to nature

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2020

#StudioIntegrativeDesign #Master-Thesis


«Forward to nature» beschäftigt sich mit dem Einfluss des Menschen auf seine natürliche Umwelt. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. Mit der Untersuchung von vier Uferabschnitten verschiedener Gewässer mit anthropogener Prägung wurde der Frage nachgegangen, wie Mensch und Umwelt in diesen ausgewählten Bereichen interagieren. Die Untersuchungen zeigen die subjektive Wahrnehmung und Repräsentation von »Natur«, auch unter dem Aspekt, dass der Mensch zum dominierenden geologischen Faktor geworden ist. Dieses Anliegen wird in Form einer interaktiven Website thematisiert.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt befindet sich in einer kritischen Situation. Durch Umweltverschmutzung, Klimaveränderung, Ausbeutung der Ressourcen und Artensterben bestehen Herausforderungen, die eine veränderte Haltung erfordern.


In einer Analyse von Satellitenbildern wurden auf 77% der Landfläche der Erde optisch erkennbare Spuren menschlicher Einflüsse gefunden. Diese sogenannten Kulturlandschaften, die aus Industriegebieten, Städten, Agrarlandschaften bestehen, ersetzen die natürlichen Lebensräume. Die Erde ist inzwischen zu einem Humansystem mit integrierten Ökosystemen geworden. Wenn man die vom Menschen emittierten Gase und Stäube mitrechnet, gibt es heute keine echten Naturlandschaften mehr (vgl. Ellis, 2011, S. 1010-1027). Zudem wurden etwa 60 % aller jemals produzierten Kunststoffe, das sind 4900 000 000 Tonnen, weggeworfen. Diese sammeln sich auf Mülldeponien oder in der natürlichen Umwelt an (vgl. Geyer et al., 2017, S. 3).


In diesem Zusammenhang stellten wir uns die Frage: Wie ist das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt. Die gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten, sowie die persönlichen Erfahrungen und Wertvorstellungen beeinflussen das Verständnis und die Vorstellung von Natur.


Dazu wurden vier Uferabschnitte unterschiedlicher Gewässer (begrenzt auf einen Bereich von circa zwanzig Meter Länge) mit anthropogener Prägung experimentell untersucht: Der Torrente Caramagna in Imperia in Italien, die Birsig in Basel in der Schweiz, der Rheinfall bei Schaffhausen in der Schweiz und der Westsee (Xihu) in Zhejiang in China. Die Beobachtungen an den verschiedenen Uferabschnitten wurden in Form von Fotografie, Video- und Tonaufnahmen dokumentiert.

Untersucht wurde die Interaktion der Passanten und Touristen an den vier vordefinierten Ufern, indem Fotos von Touristen sowie Passanten an den Ufern angefertigt wurden, die wiederum diese Landschaften vor allem mit dem Smartphone nicht nur festhalten, sondern im Internet auch weltweit verbreiten. Die Medientechnologie verändert die Wahrnehmung von Natur und das individuelle Verhältnis zu ihr. Computer und Handys sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Diese von uns gemachten Bilder sollen auf das Verhalten der Menschen beim Fotografieren und der Motivauswahl aufmerksam machen. Fotos mit entsprechenden Motiven vom jeweiligen Ufer, die auf Instagram öffentlich unter #Natur (oder #Imperia, #Birsig, #Rheinfall, #Westsee) zu finden sind, wurden hinsichtlich ihrer Repräsentation von Natur untersucht.

Auf den Instagram-Bildern wird zum großen Teil eine wunderbare natürliche Umgebung gezeigt, die frei von menschlichen Einflüssen zu sein scheint, wie auch zum Beispiel Natur als spektakuläres Phänomen in Naturdokumentationen, in der Werbung oder als Kulisse des Adventure Tourismus dargestellt wird. Das zeigt den Wunsch des Menschen, sich in einer sogenannten unberührten Natur zu bewegen und ein idealisiertes Bild von Natur zu gestalten. Auf den Fotos jedoch nicht zu sehen ist zum Beispiel der Müll, die Schilder, die Uferverbauungen, Toilettenhäuschen etc., die wir vor Ort an den Uferabschnitten vorgefunden haben. Die Müllobjekte, die auch ein Kulturprodukt darstellen, wurden von uns direkt an ihrem Fundort fotografiert und anschließend gesammelt. Diese Fotos mit den Müllobjekten stellen Ausschnitte dieser Landschaften dar, die in der Regel nicht fotografiert werden. Im Rahmen dieser Erfassung wurden Fotos von 78 Müllgegenständen ausgewählt und katalogisiert. Der Katalog ist auch als PDF zum Download auf der Webseite verfügbar.

Die Untersuchungen zeigen die Wahrnehmung von Natur aus verschiedenen Perspektiven auf, die durch Mittel des Designs wie zum Beispiel Fotografie, Video und Text interaktiv auf der Website erlebbar sind. Diese bietet die Möglichkeit, den Rezipienten für das problematische Verhältnis zwischen Mensch und seiner natürlichen Umwelt zu sensibilisieren.

Literaturverzeichnis:


Ellis, Erle C.: Anthropogenic transformation of the terrestrial biosphere. In: The Royal Society 369 (März 2011), S. 1010-1035. https://doi.org/10.1098/rsta.2010.0331 (19.04.2020).


Geyer, Roland, Jambeck, Jenna R., Lavender Law, Kara: Production, use, and fate of all plastics ever made. In: Science Advances 3 (7) (Juli 2017), e1700782, doi: 10.1126/sciadv.1700782 (20.04.2020).


www.forwardtonature.net

Mentorat:

Susanna Hertrich

, Studio Integrative Design

Dr. Ralf Michel

, Studio Integrative Design

Prof. Dr. Jörg Wiesel

, Institut Ästhetische Praxis und Theorie