Wasserläufer

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2020

Naturnahes Produktdesign

#StudioIndustrialDesign #Master-Thesis


«Wasserläufer» – ein Boot, konzipiert für Erholung suchende kleinere Gruppen bis zu sechs Personen.

Im Zentrum dieser Masterthesis steht die Gestaltung eines Bootes, welches in erster Linie für die Vermittlung eines Erholungserlebnisses und nicht mehr primär für die Überwindung des Weges von A nach B gedacht ist. Formgebung, Haptik und Übergänge zwischen Boot und Wasser sind an in der Natur vorhandene Strukturen angelehnt. Zielgruppe sind erholungssuchende Arbeitnehmer*innen aus dem urbanen Umfeld, welche keine oder wenig Erfahrungen mit Wasserfahrzeugen besitzen.

Wasserläufer

Der Wasserläufer fasziniert mit seiner naturnahen Konstruktion und seiner überraschenden Verwandlungsfähigkeit und begegnet so dem immer wichtiger werdenden Bedürfnis nach Erholung.

Das Boot

Das Boot erschliesst das grosse Erholungspotenzial auf Seen durch eine bis anhin unbekannte Transformationsfähigkeit. BenutzerInnen besteigen im Hafen das Boot, fahren auf den See hinaus und verwandeln es dort in den sogenannten Inselmodus.

Meine Inspiration

Seit meiner Ausbildungszeit als Bootbauer beschäftigen mich zwei grosse Spannungsfelder: Einerseits die Diskrepanz zwischen der Weite und Faszination eines Sees und dem beengenden Deckslayout von Motorbooten, welches seit Jahrzehnten den Fahrgästen neben einer klar definierten Sitzposition kaum irgendwelche Freiheiten lässt. Andrerseits besteht im Bootbau nach wie vor ein erschreckender Mangel an Nachhaltigkeit. Es ist mein Ziel, neue Lösungsansätze aufzuzeigen.

So funktioniert es

Das Boot ist dafür bestimmt, auf den See hinauszufahren und dort im wörtlichen Sinn seine Hauptfunktion zu entfalten: Es wird für den Nutzer zu einer kleinen Insel, auf welcher sich in mehreren Nischen und in verschiedene Positionen Erholung finden lässt. Bei dieser Transformation werden durch ein gegeneinander Verschieben des Hauptdecks Zusatzflächen freigelegt. Dabei entsteht im Heckbereich ein gestufter Übergang zum Wasser und im Bugbereich eine Liegezone. Im Hafenmodus befinden sich diese Zusatzflächen unterhalb des Hauptdecks. Durch einen elektrisch betriebenen Mechanismus werden die beiden Katamaranrümpfe während der Transformation auseinandergeschoben. Das elektrisch angetriebene und über Solarzellen mit Energie versorgte Boot darf prüfungsfrei gesteuert werden und ist über eine online Plattform stundenweise reservierbar. So entfällt der beträchtliche Mehraufwand für die Anschaffung und den Unterhalt eines eigenen Bootes.

Designprozess

Die Ökopsychologie stellt klar: Der Mensch erholt sich am besten in der Natur. Diese Vorgabe hat mich zusammen mit dem Ziel von mehr Nachhaltigkeit nach einer Vorgehensweise suchen lassen, in welcher der Natur eine zentrale Stellung zukommt. Die in der Architektur angesiedelten nature centered und nature inclusive Designmethoden verschafften mir Ansätze, welche sich auch auf die Gestaltung eines Bootdecks übertragen lassen. So sind die beiden – im Motorbootsegment praktisch unbekannten – Aspekte Asymmetrie und Durchlässigkeit beim Boot durchgängig erkennbar.

Wo ist der Unterschied?

Erholung – und nicht mehr Fortbewegung - steht an erster Stelle: Das Boot bietet als Insel eine bis jetzt in dieser Bootskategorie nicht bekannte Vielzahl an Liege- und Sitzmöglichkeiten und Übergangszonen zum Wasser an. Um dennoch einen Hafen ansteuern und dort vor Anker gehen zu können, lässt sich die Insel in einem ebenfalls völlig neuartigen Transformationsprozess in ein Boot mit reduzierten Dimensionen verwandeln. Auf das gängigste und nicht recyclierbare Werkmaterial im Bootbau - glasfaserverstärkten Kunststoff – sowie auf Leimverbindungen wird vollständig verzichtet. Der tragende Unterbau besteht aus Aluminium, das Deck aus naturbelassenen Materialien wie Holz, Naturkork (als Teakersatz) und Keramik. Verbindungen werden entweder geschraubt, geschweisst oder via Kraftschluss realisiert.

Mentorat:

Prof. Werner Baumhakl, Studio Industrial Design,

Nicole Schneider, Studio Industrial Design

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Prof. Dr. Ralf Trachte, Studio Industrial Design,

Alfredo Häberli

, Studio Industrial Design