Zwischen Körper und Raum

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2020

Bewegliche Anordnungen und stützende Figurationen von Mensch und Möbel

#StudioFashionDesign #Master-Thesis


Was wäre, wenn Mode nicht nur den menschlichen Körper umspielt, sondern auch die Objekte, die ihn umgeben? Mode zum Anlehnen, die zwischen lebendigen Körpern, Objekten im Raum variabel einsetzbar ist und gleichzeitig als eigener Raum funktioniert. Inspiriert von der Materialität, Verarbeitung, Korsettfunktion und den Sitz-Designs des 19. Jahrhunderts entsteht eine Modekollektion, aus verschiedenen Maschenwaren, die industriell produziert werden. Der menschliche Körper wird durch diese Zwischenkörper zur Bewegung im Sitzen und zur bewussten taktilen Erfahrung des Strickmaterials eingeladen.

Die Untersuchung der Beweglichkeit und die Variation im Sitzen durch Wäsche und Möbel stehen bei dieser Masterthesis im Vordergrund. Wie sieht die mobile Stütze der Mode von heute aus und welche Rolle spielt die Materialauswahl dabei?


Die menschliche Körperhaltung ist nicht nur durch Bekleidung beeinflussbar, sondern auch durch möbelartige Objekte, die den Menschen im Alltag umgeben. In dieser smarten Zeit, in der menschlichen Körpern täglich überall Sitzgelegenheiten geboten werden – hat sich die sitzende Körperhaltung etabliert. Ein Raum ohne Sitzmöglichkeiten ist selten anzutreffen.

Unter der Annahme, dass die Sitzhaltung eine heute dominierende Körperhaltung des Menschen ist, so beeinflusst diese die Gestaltung dieser Arbeit grundlegend. So, wie das Korsett den Körper in der Vergangenheit als rumpfumschmeichelndes Gerüst den Körper begleitete, so könnte auch die heutige Mode die Sitzhaltung begleiten und zu einem Erlebnis machen. Bekleidung wird als Begleiter des menschlichen Körpers zur Mode.

Catarina Cardinale sieht Mode in der Zukunft als Körperstütze einer mobilen und komfortliebenden Gesellschaft. Ihr Design hinterfragt das ‚kommerzielle‘ Bekleidungssystem als solches und bietet neue Vorschläge für ein erweitertes Körperverständnis. Mode soll nicht immer nur die vorhandene Körperform betonen und begleiten – sondern diese viel mehr in den Raum erweitern und neue Wege der Silhouette, neue Wege der Feminität aufzeigen.

Die Mode der Zukunft braucht keiner Hemden- /Hosen- oder Jackenserie untergeordnet werden zu müssen und keiner definierten Maßeinheit zu entsprechen. Mode, sowie die Körper, sind individuell und so intim. Die Art des Tragens ist eine Zelebration der Variation, der freien Selbstgestaltung.


Das Übertragen von menschlicher Bekleidung auf die Bekleidung von Möbeln und weiteren Gegenständen des Alltags, eröffnet einen neuen Blick auf untypische Schnitte und neuartige Modellentwicklung. Dies steht im Zentrum dieser experimentellen Arbeit, nebst der Untersuchung der Beweglichkeit und die damit einhergehende Verschiebung der Räume.


Als Strickdesignerin liebt Catarina Cardinale es, die haptischen Sensoren des Trägers zu aktivieren und zu begeistern. Mode ist Gefühlssache!

Mentorat:

Prof. Priska Morger, Studio Fashion Design,

Wally Salner, Studio Fashion Design

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Prof. Dr. Bettina Köhler

, Studio Fashion Design,

Prof. Dr. Jörg Wiesel

, Institut Ästhetische Praxis und Theorie