Eine Gretchenfrage an die Designtheorie


In einem Projekt zur «Gentrifizierung», welches ich im Wintersemester 2012/13 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Kapstadt angeboten habe, herrschte bei den Studierenden sofort Einigkeit darüber, dass das in Frage gestellte Phänomen "böse» sei. Design müsse Widerstand unter der Bevölkerung ermöglichen, die durch kapitalistische Spekulation unterdrückt wird. Methodisch geführte Formen der Moderation, der Aktivierung und der Partizipation wären hierfür nach ihrer Überzeugung geeignete Mittel. In meinem Essay «Eine Gretchenfrage des Designs» versuche ich eine theoretische Begründung für ihre Hoffnung zu entwickeln, dass partizipative Gestaltungspraxis zu ethisch und ästhetisch besseren Ergebnissen führen kann und damit zur Aussicht auf allgemeine interessenorientierte Veränderungen.


Zu diesem Zweck verweise ich auf die von Jürgen Habermas geprägten Begriffe «kommunikatives Handeln» und «Lebenswelt». Nachdem ich eine entsprechende Theorieskizze entworfen habe (und damit zu einer lang anhaltenden Diskussion über soziales Design unter Verwendung bekannter philosophischer Bestandteile beigetragen habe), kritisiere ich diesen Ansatz, d.h. mit R. Rortys Figur eines «liberalen Ironikers» und J. F. Lyotards allgemeiner Frage nach der Angemessenheit von Entscheidungen. Meine Gedanken enden in einer glücklichen Zweideutigkeit.


Prof. Dr. Oliver Baron

KISD – Köln International School of Design