Was hier steht ist wahr

2019

von Thorsten Mozer

Wer macht denn so etwas? Wer kommt auf die Idee, fehlerhafte oder manipulierte Informationen und Inhalte absichtlich zu verbreiten? Das Zwischennutzungsprojekt Creau Wien war Tatort der Darbietung „Herbert Schilling – Performance“ für die Herbert Schilling im September 2016 engagiert wurde. Jeden Tag stellte sich Schilling, eingerollt in einen Teppich, für vier Stunden in die ausrangierten Pferdestallungen im Wiener Prater. Herbert Schilling war zum Zeitpunkt der Ausstellung 53 Jahre alt und langzeitarbeitslos – er meldete sich freiwillig auf eine Zeitungsanzeige, die Statisten für eine Kunstperformance suchte. Die Auswahl fiel leicht. Und so begann am 16. September 2016 seine legendäre, siebentägige Performance. Jedenfalls behaupte ich das. In Wahrheit ist das eine dieser Falschmeldungen. Als Künstler stelle ich die Wahrnehmung der Besucher auf die Probe, indem ich die Werkzeuge heutiger Kommunikation nutze. Wieder einmal bestätigt sich: Viel zu häufig nehmen wir Behauptungen als wahre Informationen hin, ohne sie zu hinterfragen. Was passiert, wenn die Gesellschaft selbst offensichtliche Falschmeldungen nicht mehr als solche erkennt und die Wahrheit so zwischen „alternativen“ und echten Tatsachen verloren geht? Manipulative Botschaften werden als Informationen getarnt, um Betrachter zu täuschen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen und Emotionen hervorzurufen. Diese Methoden werden oft genutzt, um die Öffentlichkeit für bestimmte kommerzielle Ziele zu manipulieren. Es ist sehr einfach, Scheinwahrheiten zu verbreiten oder solche, die vielleicht nicht komplett falsch, aber verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen sind. Und dann gibt es noch diejenigen Lügen, die so offensichtlich sind, dass man sie nicht mehr als Lüge zu erkennen wagt.